Festakt 500 Jahre Badener Disputation - Baden feiert den Frieden
- Philipp Merker

- 3. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Am 31. Mai 2026 wurde in Baden zum grossen Festakt geladen. Gefeiert wurde nicht etwa eine späte Fasnacht, sondern das 500ste Jubiläum der Badener Disputation - jenem bedeutenden Klerikerstreit in unserer Stadtkirche zwischen Katholiken und Reformierten, die sich nicht einig wurden, ob Jesus jetzt ein Brot war oder nicht. Auch eingeladen: Die Spanischbrödlizunft.
Im Jahre 1526 war die Kirchenspaltung in vollem Gange und die verfeindeten Fraktionen, Katholiken und Reformierte, trafen sich in Baden, um darüber zu debattieren, wer recht habe in der Interpretation des christlichen Glaubens. Einig wurde man sich nach langem Streitgespräch nicht, aber der Anlass prägte das weitere Zusammenleben der beiden Religionsgemeinschaften in der Schweiz massgebend. Grund genug also, um dem Ereignis fünfhundert Jahre später zu gedenken. Heute wurde an der Feier aber betont nicht gestritten, sondern der Frieden und Zusammenhalt der Gemeinschaft bekräftigt.
Zum Festakt waren neben hohen Kirchenvertretern wie Bischof Gmür u.a. auch Bundespräsident Guy Pfarrmelin (denn er hielt in der Kirche eine Rede) sowie die ehemalige Bundesrätin Doris Leuthard eingeladen. Bei solch hohem Besuch durften natürlich die Badener Zünfte, die Schweizergarde, Trachtenvereine und die lokalen Jugendverbände nicht fehlen.
Die Feier begann mit einem Umzug von der reformierten Kirche am Bahnhofsplatz zur katholischen Kirche, wo dann ein Gottesdienst und mehrere Festreden stattfanden. Anschliessend klang der Anlass bei einem friedlichen und geselligen Apéro auf dem Kirchplatz aus.
Die Spanischbrödlizunft, vertreten durch den Brödlirat, durfte den Umzug anführen. Die Räte legten, geübt durch zahlreiche Fasnachtsumzüge, ein hohes Tempo vor und erreichten den Kirchplatz fünf Minuten vor allen anderen Umzugsteilnehmern. Vermutlich, weil es dort einen Getränkewagen gab.
Thema Getränke: Die Spanischbrödlizunft war von den Organisatoren aufgefordert worden, auf dem Kirchplatz den Wein auszuschenken. Dafür wurde sie von der Pflicht entbunden, an der Veranstaltung in der Stadtkirche teilzunehmen. So wurde für sie aus der Disputation eine Dispensation. Während Tout Baden und geladene Gäste von ausserhalb innerhalb der Kirche dem Gottesdienst und den Festreden lauschten, entkorkten die Brödliräte draussen fleissig Weinflaschen und richteten ihre Barstände ein. Nach gut zwei Stunden strömte das Volk aus der Kirche und wusste den Einsatz des Brödlirats zu schätzen: Das Vaterunser-Aufsagen und die aussergewöhnlichen Mai-Temperaturen von über 30 Grad hatten alle durstig gemacht.
Der Anlass uferte schnell in eine kleine Badenfahrt aus. Fahnenschwinger und Hochseilartisten zeigten ihr Können, gesellige Gesprächsrunden formierten sich und jeder wollte natürlich ein Selfie mit dem Bundespräsidenten. Diesem schien der Stadtwein zu munden, als Winzer und Waadtländer genehmigte er sich den einen oder anderen Schluck davon. Es zeigte sich: Badener Feierlaune und welsche Lebensart passen gut zueinander! Gottseidank war der Zwingli nicht zugegen, um dem fröhlichen Treiben einen puritanischen Riegel zu schieben. Der Anlass endete somit wie erhofft: Im Frieden und mit einem leichten Schwips.











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