Hei-Rat statt Brödlirat: Vereidigung wegen Hochzeit aufgeschoben, Klimakrise als Folge
- Philipp Merker

- vor 20 Minuten
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Das gab es in der Geschichte des Staatsakts noch nie: Ein Candidat, der recht gute Aussichten auf seine Vereidigung hatte, zog es vor, statt an den Staatsakt an eine Hochzeit zu gehen. Ursachen, Reaktionen und Konsequenzen lesen Sie im folgenden Abo-Artikel.
Wir erinnern uns: Der Staatsakt 2026 fand wie üblich im Garten der Villa Boveri statt. Sintflutartige Regenfälle setzten ein, doch niemand realisierte damals, dass es sich dabei um eine himmlische Warnung handelte. Zerknirscht - oder zähneknirschend -musste der Brödlimeister nämlich bekannt geben, dass einer der beiden diesjährigen Candidaten für seine heutige Vereidigung fehlte. Ein Raunen ging durch den Saal und Zünfter schauten sich ratlos an. Und nachdem der anwesende Co-Candidat, Staranwalt Marcel Lüscher aus Zürich bei Baden, seinen Amtseid fehlerfrei ablegte und mit tosendem Applaus im Brödlirat Willkommen geheissen wurde, bemühte sich der Brödlimeister, dem Publikum die Begründung für die Abwesenheit des fehlenden Candidaten, Unternehmer Timothy Wagner, beizubringen. Dieser hatte nämlich heute einen Terminkonflikt, als Trauzeuge an der Hochzeit seines besten Freundes. Man möge ihn ausnahmsweise entschuldigen, seine Vereidigung werde unter strenger Geheimhaltung zu einem späteren Zeitpunkt auf Cantonsgebiet nachgeholt. Das ausserordentliche Ereignis werde schon nicht zu ernsten Folgen für das kosmische Gefüge führen. Einige Zünfter im Saal, insbesondere die Tüblis, nickten nun verständnisvoll. Denn was kann man schon gegen eine Hochzeit sagen? Nach längerer Überlegung liess man Gnade walten und gewährte den Aufschub, ohne dem Candidaten ein weiteres Candidatenjahr aufzubürden oder ihn sogar zu herendisieren. Gut möglich, dass der Ort des Geschehens ebenfalls zur Milde stimmte: Im Garten der Villa Boveri werden schliesslich nur die herzigsten aller Bräute fotografiert.
Doch mit dem Entscheid kam es knüppeldick. Denn der HImmel zürnte Zunft und Räten: Was mit sintflutartigen Regenfällen am Staatsakt als Warnung begann, artete in eine nie dagewesene Dürre in Canton und Land aus. Regentänze, Menschenopfer und der Kachelmann brachten keine Wende. Als böses Omen kündete am 12. August eine Sonnenfinsternis auch noch einen Meteoritenhagel an. Die Welt war total aus den Fugen geraten.

Die Ordnung musste nun dringend wiederhergestellt werden! Endlich fand man daraufhin einen Termin, der dem Candidaten auch passte. Er sagte dafür sogar seine Teilnahme an einer weiteren Hochzeit ab.
So traf sich eine Delegation Brödliräte am 15. August 2026 an einem geheimen Ort im Canton, um die Vereidigung endlich nachzuholen und das Klima zu retten. Bei Nacht und ohne Nebel (dafür war es zu trocken), gelang dem Candidaten Timothy Wagner das Aufsagen des Amtseids fehlerfrei und im ersten Anlauf. Herzliche Gratulation und Willkommen im Brödlirat, Tim! Dieser feierliche Moment war am Nachmittag zuvor schon reichlich begossen und mit einem feinen Essen vorbereitet worden. Einige Brödliräte kamen besonders feierlich in der Badehose an die Zeremonie. Und sogar der Schreiber wurde für das Ereignis geweckt, obwohl er schon laut schnarchend in einer Wiese auf dem Festgelände lag. So kann aus erster Hand bestätigt werden: Die Vereidigung der Candidaten ist für dieses Jahr ordentlich abgeschlossen, die Welt kommt wieder ins Lot! Und siehe da: Ein paar Tage später kehrte bereits der erste Regen zurück.

Was lernen wir daraus? Es käme unter dem Strich günstiger, den gesamten Staatsakt halt auch noch an die Hochzeit einzuladen. Das Budget dafür kann man beim Klimafonds beantragen.



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